Thessa Facebook Superstar

armadillo444, sitmonkeysupreme

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Es war einmal ein 15jähriges Mädchen mit dem Namen Thessa. Thessa lebte in dem idyllischen Stadtteil von Hamburg mit dem Namen Bramfeld. Binnen weniger Tage hat Thessa das geschafft, woran manche Leute ewig arbeiten und es trotzdem nicht schaffen. Mancher PR-Manager oder Eventmanager träumt von einem solchem Erlebnis.
Nicht nur wir in Deutschland, nein, sogar in Amerika spricht man schon von Thessa K. (mittlerweile 16) . Fast 24 Stunden lang wurde via twitter, livestream Fernsehen und nicht zuletzt facebook über das Geschehen vor und um Thessa’s Geburtstagsparty zeitgleich/realtime berichtet.
Nachdem Thessa „versehentlich“ öffentlich via facebook zu ihrer Geburtstagsparty samt vollständiger Adresse einlud, kündigeten sage und schreibe über 15000 potentielle aber unerwünschte Gäste ihr kommen an. Nicht alle, aber immer noch die beachtliche Zahl von ca. 1500 Leuten hielten sich an ihre Partyzusage und feierten vor Thessa’s Elternhaus ein wildes nicht ganz gesittetes Straßenfest, an dem auch Polizei und Feuerwehr mit großem Aufgebot teilnahmen.
Nachdem die Partygäste Thessa selbst nicht zu sehen bekamen, weil sie, wie sie uns später selbst sagen wird, zu ihren Großeltern geflüchtet sei, einigen zerstörten Gartenzäunen und jeder Menge verärgerter Nachbarn, meldete sich Thessa in der Bildzeitung zu Wort. Die Frage die wir uns jetzt stellen: Ist es etwa Thessa die ohne jedes Talent und Anstrengung binnen wenigen Stunden zum wahren Superstar Deutschlands avancierte?
Thessa äußert sich bestürtzt und reumütig zu den Vorkommnissen und hat von facebook die Schnauze voll. Thessa’s Eltern haben in Anbetracht dessen, was sich ankündigte, die Polizei vorab informiert, einen privaten Sicherheitsdienst engagiert und Thessa floh mit ihrem Freund zu ihren Großeltern ins Exil, um zu vermeiden, dass ihre Fans um 12 Uhr die elterlich Bastion stürmen. Obwohl Thessa ihr Profil sofort nachdem Sie erfahren hatte, welcher Fehler ihr unterlaufen war von einem Freund hat löschen lassen, packte sie in der Geburtstagsnacht die Neugier. Diese veranlasste Sie wiederum in der Nacht, von der sie erst bahauptete durchgeschlafen zu haben, doch ihr facebook Profil zu reaktivieren und einmal nachzuschauen, was sich denn letztendlich bewahrheitetet und doch noch schnell die eine oder andere Nachricht mit einigen ihrer 600 facebook Freunde auszutauschen. Naja, wem kann man es verdenken…Dann war Thessa geschockt! Später im Interview wird Thessa aber sagen, dass man facebook gar nicht braucht und man ohne es zu missen darauf verzichten könne, da sich die wahren Freunde ja sowieso auf anderen Wegen melden würden.
In dem Rest des Interviews gibt sich Thessa sehr verbunden mit alle denen die die Party mehr als Ärgerniß empfanden und miemt das gebrandmarkte mahnende Beispiel Teenie. Mehrere Fragen ob sie sich ein wenig wie ein Star fühle oder von der großen Anteilnahme geehrt fühle, wieß Thessa bestimmt und vehement zurück. Glaubwürdig? Wie dem auch sei, Thessa bemüht sich nicht allzu gekonnt um die Gunst aller, denen die Party keine Freude gewesen ist. Zwar versucht Thessa auch vehement in ihrem Bildzeitungsinterview zu zeigen, wie leid es ihr tut, doch muss man algemein ihre Glaubwürdigkeit in Frage stellen. in dem Interview wird zwanghaft das Bild von der schüchternen armen 16jährigen geschaffen, die mit dem sozialen Netzwerk Facebook überfordert war. Beispiel gefällig?
Bis vor einer Woche war die Hamburger Schülerin Thessa K. (16) ein ganz normales Mädchen, das Cello spielt, gern shoppen geht und mit Freunden Kaffee trinkt.
BILD.de: Wie hast du deinen Geburtstag verbracht?
Thessa: „… Wir haben dort auf dem Sofa gesessen und Fußball im Fernsehen geguckt.“
BILD.de: Hast du dich geehrt gefühlt, dass so viele Menschen gekommen sind?
Thessa: Auf keinen Fall. Das war mir total unangenehm. Ich bin kein Mensch, der sich gerne in den Mittelpunkt stellt.
An dieser Stelle möchte ich mit den Zitaten aufhören. Ich denke es reicht um das Kontroverse an der Situation zu demonstrieren. Wer kennt nicht den Typ schüchternes Mädchen, dass es hasst im Mittelpunkt zu stehen aber schön mit Foto der Bildzeitung ein Interview gibt. Doch ist Thessa an der ganzen Situation unschuldig?
Fakt ist: Thessa sagt selbst, dass sie „600“ Freunde bei Facebook hat. In vielen Medien wurde fälschlicherweise behauptet Thessa hätte alle Facebookbenutzer eingeladen. Ich glaube manche Viagraverkäufer, würden sich sehr über dieses Feature freuen, alle Facebookbenutzer aufeinmal zu etwas einladen zu können oder der arme Bänker aus Afrika mit dem 20 Millionen Dollarkonto, der dringend eine Kontonummer braucht.
Was Thessa gemacht hat, sie hat ein paar ihrer 600 Freunde eingeladen und die haben wieder Freunde eingeladen und so kam es zu einem Schneeballeffekt. Bis sogar die Fernsehsender davon Wind bekamen und die Situation nicht ganz uneigennützig noch zusätzlich anheizten. Die Krone setzt Thessa sich noch selbst auf, indem sie zugab, dass ein Freund von ihr ihre Zugangsdaten hat. Da kann ich mir jeden Kommentar, glaub ich, sparen.
Das Problem bei der ganzen Sache ist wohl, dass die 600 Freunde von Thessa wohl nicht zu ihren besten Freunden gehören und das ist die Gefahr, die viele Jugendliche gerne übersehen. Es werden Leute als Freunde hinzugefügt, die man kaum oder garnicht kennt, weil es ja natürlich prestigeträchtig ist viele Freunde zu haben. Thessa ist das typische Beispiel was bei dem wilden Freunde „geadde“ passieren kann.
Der nächste Fehler war die Party nicht sofort zu löschen. Laut mehreren Berichten war die Party 5 Tage öffentlich geschaltet. Aber was treibt dann trotzdem 1500 Leute nach Bramfeld, obwohl man weiss, dass die Party nicht stattfindet? Oder was treibt Leute dazu Webseiten zu machen und Mitfahrgelegenheiten zu organisieren, um möglichst viele Menschen dahin zu bringen?
Es ist wohl klar, dass keiner der angereisten Menschen Thessa auch nur im Entferntesten etwas Gutes wollte. Man muss wohl eher annehmen, dass es sich um einen ausgeprägten Sinn für Sadismus handeln muss. Wir haben das Bild von MTVs „My Supersweet 16“ vor Augen, bei dem verwöhnte amerikanische Gören ihr 50.000$ Auto bekommen, 1000 Gäste tanzen und es springt noch Snoop Dogg aus der Torte und singt.
Da Thessa mit einem ähnlichen Bild für ihre Party geworben hat, haben sich wohl die meisten der Angereisten gedacht, du kriegst ein supersweet 16, dass sich gewaschen hat. Anders kann man sich das entstandene Chaos nicht erklären. Ich kann mich an keinen 16. Geburtstag erinnern, bei dem wir bengalische Feuer gezündet und eine Wohnsiedlung auseinandergenommen haben.
Eine Party aus Schadenfreude zu feiern scheint heutzutage spannender als eine aus Anteilnahme.
Aber warum auch nicht, wir haben ja schliesslich alle mit unseren Steuergeldern bezahlt. Am Samstag soll es übrigens eine weitere Facebookparty geben. Allerdings nicht bei Thessa sondern in Ahrensburg in Schleswig-Holstein, zu der sich bereits 20000 angemeldet haben.

Authoren: Hike_1 und Teukan

Offizieller Thessa Song hier:
Bildzeitungsinterview hier:
SpiegelTV Bericht hier:
ZAPP Bericht – NDR hier:
Taff Bericht – Pro7 hier:
Video von dem Abend hier:

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One Response to Thessa Facebook Superstar

  1. Tannador says:

    Naja, die Schlussfolgerungen über die Beweggründe der Partygaste steht aber auch wackeligen Füßen. Ich glaube nicht, dass es um Sadismus ging. Vielen war Thessa wahrscheinlich vollkommen egal; sie wollten einfach bei einem großen Happening dabei sein. Es war klar, dass das ganze in die Medien kommen würde, und man wollte dabei sein.
    Viele wollten sicherlich nur feiern und – aus ihrer Sicht – einen harmlosen Spaß machen. Natürlich gibt es in solchen Gruppen auch immer ein paar Idioten, die randalieren wollen. Diese Geisteshaltung auf alle auszuweiten ist aber genauso falsch, wie zu behaupten alle Fußballfans seien Hooligans oder alle Wacken-Teilnehmer würden Dixi Klos anzünden.
    Ich glaube nicht, dass Thessa das beabsichtigt hat; genausowenig kaufe ich ihr aber ab, dass sie die Aufmerksamkeit nicht doch etwas geniest.

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