Derby in der Höhle des Löwen

Die Höhle des Löwen hat sich eher als Schmusekätzchen rausgestellt. Beim diesjährigen Derby, habe ich mich das erste Mal zu den „Feinden“ in die Curva Nord gewagt. Im Vorhinein war die Kartensituation so, dass es von Seiten der Roma nur noch Karten für die Tribuna Monte Mario (Haupttribüne) für 110 Euro gab. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, Karten für 33 Euro in der Curva Nord bei den Laziali zu besorgen. Ich möchte hier noch erwähnen, dass die Mitarbeiter im Lazio Store wesentlich freundlicher sind und dort eine richtig familiäre Atmosphäre herrscht, während im Roma Store japanische Touristen sind, die sich ihr Urlaubsoutfit zusammenstellen.
Der ursprüngliche Plan war eigentlich, sofort ins Stadio Olimpico zu gehen, sobald die Tore geöffnet werden und dann versuchen über die Plexiglaswände in die Curva Sud zuklettern. Aufgrund vorabendlicher Aktivitäten hat sich der Zeitplan jedoch etwas nach hinten verlagert, so dass man sich erst um 14:00 im Stadion einfand (Anstoß 15:00) und sich schon die Ordner positioniert hatten. Im Nachhinein muss man sagen, dass dies auch besser so war, weil ein Lazio Anhänger genau das probiert hat, allerdings mit dem Ziel Curva Nord und dem Ergebnis einer Festnahme, inklusive Stadionverbot. Außerdem sind noch 2 Roma Anhänger verhaftet wurden, die versucht haben ohne Karten in die Curva Sud zu gelangen.
Das Sicherheitskonzept, der örtlichen Behörden war natürlich wieder sehr streng. Am Abend vor dem Spiel wurde das Stadion weitläufig überwacht, durchsucht und mit Flutlicht die ganze Nacht beleuchtet. Die Tribuna Tevere (Gegengerade) war wie bei den beiden Derbys zu vor wieder nur für Rentner, Kinder, Frauen und Behinderte zugänglich. Dies hatte zur Folge, dass sich nur knapp 40.000 Zuschauer im Stadion befanden. Die Zeiten von ausverkauften Derbys mit 80.000 Zuschauern sind lange vorbei und werden bei der aktuellen Lage wahrscheinlich auch nicht so schnell wieder kommen. Die Einlasskontrollen waren unerwartet streng, für römische Verhältnisse. Man wurde 2 Mal durchsucht und ich musste sogar mein Handy zeigen, weil es sich verdächtig anfühlte. Zu Beginn des Spiels gab es eine sehr schöne Choreo von den Lazio Anhängern. Die Blöcke waren abwechselnd mit weissen, blauen und italienischen Fähnchen geschmückt. Dazu gab es noch eine große Fahne mit Adlern und dem Lazio Logo. Man muss neidlos anerkennen, dass der Support der Lazio Kurve bis zur Halbzeit besser war. Nach der Pause hatte man so das Gefühl, dass das schlechte Wetter die Fans auf beiden Seiten in Depressionen versetzt hat. Nach dem 1:0 durch Totti ist dann endlich auch die Curva Sud wach geworden. Aufregung gab es nach dem Spiel, weil der Torhüter Muslera von Lazio beim Tor von einem Laserpointer geblendet wurde. Nachdem 2:0 kurz vor Schluss durch einen Elfmeter von Totti und den 2 Rotekarten haben sich viele Lazio Anhänger im Dauerregen auf den Heimweg gemacht. In der Nordkurve hat noch jemand ein kleines Feuer gelegt, auf das jeder der vorbei ging auch noch seine „Sitzzeitung“ geworfen hat, so dass am Ende doch ein ziemliches Lagerfeuer entstand. Die Zuschauer im Stadion sitzen zum größten Teil auf Zeitungen, weil das Stadion nicht sauber gehalten wird und die Sitze sehr von Vogelkot in Mitleidenschaft gezogen werden. Beim Verlassen des Stadions hatte die Polizei die direkte Strasse von der Curva Nord zur Curva Sud gesperrt. Eine Strasse weiter, war jedoch einfaches Durchkommen. Einige wenige gewaltbereite Lazio Anhänger haben sich nach dem Spiel gesammelt und die Polizei mit Böllern und Flaschen beworfen. Die Leute konnten aber relativ schnell identifiziert werden und so kam es zu mindestens 6 Festnahmen. Grund dafür war es sicher, dass es taghell und eine sehr kleine Gruppe zwischen 10 und 20 Leuten war. Vor der Curva Sud am Obelisk haben sich einige Roma Anhänger versammelt und eine Gasse für die vorbei strömenden Lazio Fans gebildet und diese dabei verhöhnt. Die ca. 50 Romanisti haben auf die gewaltbereiten Lazio Supporter gewartet, die aber nicht kamen, da diese ja noch mit der Polizei zu tun hatten. Die Romanisti sind dann auf die andere Seite des Tiber und von da aus Richtung Norden marschiert, was aber auch nicht von Erfolg gekrönt war.
Man kann sagen, dass das Derby in Rom an viel Glanz verloren hat. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen, verhindern nicht die Gewalt, sondern zerstören den Flair des Derbys. Die Behörden haben den Ultras von Lazio und der Roma den Krieg erklärt. Zaunfahnen, über die Ultras ihre Präsens zeigen sind in den römischen Kurven verboten. Die Preise werden in die Höhe getrieben und man hat das Gefühl, es ist einfacher ein Konto zu eröffnen, als sich ein Ticket zu kaufen. Dazu kommen die zahlreichen Stadionverbote, wenn man die Stadionverbote der letzten Monate zusammen addiert ist man automatisch im dreistelligen Bereich. Und wer öfters zum Fußball geht, weis das Stadionverbote nicht zwangsläufig etwas mit bewiesenen Straftaten zu tun haben. Ich hatte möchte noch erwähnen, dass ich ziemliche Probleme hatte mich bei den Toren nicht zu freuen und ich glaube, ich war der Einzige, der grinsend die Curva Nord verlassen hat.

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