Fanhearing “Fussball statt Angst”

Mr.Topf

 

Am 03.09.2012 fand im Düsseldorfer Landtag das Fanhearing zum Thema „Fussball statt Angst“ statt. Anlass der Veranstaltung, war das kürzlich von Innenminister Ralf Jäger vorgestellte Modell zu Verbesserung der Sicherheit in Fußballstadien. Sowohl Vertreter der Piratenfraktion im Landtag, als auch der AK Innenpolitik der Piratenpartei NRW hatten dieses Treffen initiiert. Ziel sollte es sein, denen eine Plattform zu bieten, die am meisten von den neuen Richtlinien betroffen sind und ihre Meinung dazu zu hören, die Fans.Unter den Teilnehmern waren Fanvertreter aus Aachen, Dortmund, Düsseldorf, Gelsenkirchen und Wuppertal. Die Diskussionsrunde wurde von der Piratenpartei sehr offen gestaltet. Alle 25 Teilnehmer saßen an einem runden Tisch. Es gab keine direkte Tagesordnung oder spezielle Themen, die die Gesprächsrunde strukturiert haben. Zur Einleitung warf F.Herrmann die Schlagzeile „Fangewalt bedroht Spieltagstermine“ in den Raum, wonach die Gesprächsrunde begann. Von Seiten der Fans wurde mehrfach berichtet, dass die offiziellen Statistiken, die die steigende Gewalt belegen sollen auch unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden müssen. Innerhalb der Statistiken wird nicht differenziert, woher die Gewalttaten kommen. So werden zum Beispiel auch jene in die Statistik mit aufgenommen, die durch übermäßige Polizeigewalt verletzt wurden, wie im Beispiel Hannover von 2011. Ein weiterer Faktor ist die stetig steigende Zuschauerzahl in der 1. und 2. Bundesliga, wodurch sich die Gewalttaten pro Zuschauer in den letzten Jahren eigentlich kaum veränderten. Heftigst wurde auch die Berichterstattung der Medien kritisiert, die das Bild der gewalttätigen Fußballfans sehr gerne sensationslastig ausschlachten und wenig Sachlichkeit an den Tag bringen. So wird beispielsweise immer wieder das Abbrennen von Pyrotechnik mit Gewalt gleichgesetzt.

Als weiteres, großes Problem wurde von den Fanvertreter herausgestellt, dass es von den offiziellen Institutionen einen enormen Mangel an Dialogbereitschaft gibt.Eso wurde von Gesprächen mit dem DFB Sicherheitsbeauftragten berichtet, mit welchem man einen konstruktiven Dialog bezüglich Pyrotechnik in Stadien geführt hat. Die Fans erklärten sich daraufhin bereit an den ersten Spieltagen der Saison auf das jegliches Abbrennen von Pyrotechnik zu verzichten, im Gegenzug sollten weitere Gespräche folgen, in denen dann das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik thematisiert werden sollte. Leider wurde der Sicherheitsbeauftragte ausgetauscht und seitdem leugnet der DFB, dass die Gespräche jemals soweit gingen. Dumm nur, dass die Fanvertreter Protokolle bei den Treffen geführt haben. Dieses Verhalten hat natürlich die komplette Vertrauensbasis bei vielen Fans zerstört und viele sehen die Institutionen jetzt als nicht dialogbereit und gehen einen radikaleren Weg. Hier wurde ganz klar versäumt mit den moderateren Fans einen gemeinsamen Weg zu finden. Die weniger moderateren Fans sehen sich nach dem Vorfall natürlich in ihrer Haltung bestätigt und verweigern weiter ihre Mitarbeit.

In Zeiten der Kommerzialisierung des Fußballs haben die Fans mehr und mehr das Gefühl zum zahlenden Kunden zu werden, anstatt als mündiger Fan betrachtet zu werden, der auch Teil des Vereins ist und eine Meinung hat. Auf der einen Seite wird es sehr gerne gesehen, wenn man durch eine lebendige Fankultur eine bunte Kurve schafft, auf der anderen Seite ist es jedoch unerwünscht mit kritischen Spruchbändern seine Meinung zu äußern, oder auf Mitgliederversammlungen Vereinsposten mit Mitgliedern aus der Fanbasis zu besetzen. Besonders unangenehm wird es dann noch, wenn der Springerverlag eine Hetzkampagne gegen Kandidaten aus der Fanbasis ins Leben ruft und versucht die Kandidatur zu manipulieren, wie es 2008 beim HSV passiert ist.

Insgesamt kann gesagt werden, das Fanhearing war ein Erfolg. Es war ein guter Schritt von der Piratenpartei auf die Fans zuzugehen und das Gespräch zu suchen, anstatt Bevormundungspolitik zu betreiben, wie es von den anderen Instanzen gehandhabt wird. Man kann jedoch gespannt sein, wie die Fraktion der Piratenpartei weiter mit dem Thema umgehen wird und wie man sich letztendlich positioniert. Es ist nun geplant ein weiteres Treffen zu machen, bei dem zum Beispiel auch Vertreter von Polizei anwesend sind. Dazu ist noch geplant Feuerwehrmänner und Sprengstoffexperten einzuladen, um detailliert über Pyrotechnik zu sprechen. Lobend ist zu erwähnen, dass man bei den Abgeordneten der Piratenpartei offen und ohne Vorurteile zu dem Thema Pyrotechnik steht. To be continued…

Teilnehmer der Fraktion der Piratenpartei NRW:

Daniel Düngel

Frank Herrmann

Dirk Schatz

Torsten Sommer

Interview mit Lorenzo Contucci von asromaultras.org und MyRoma.it

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Teukan: Hallo Lorenzo, könntest du dich kurz vorstellen?

Lorenzo: Hallo mein Name ist Lorenzo Contucci ein ehemaliger AS Roma Ultra. Jetzt arbeite ich als Strafverteidiger, spezialisiert auf Fußball relevante Fälle.

Teukan: Du bist Betreiber der Webseite MyRoma.it. Was hat es mit der Seite auf sich?

Lorenzo:„My Roma“ ist eine gemeinnützige Unterstützungsorganisation des AS Rom. „My Roma“ wurde vor 2 Jahren gegründet und wächst seitdem sehr schnell. Wir wollen Roma Fans gegen das System verteidigen. Ich betreibe eine weiter bekannte Webseite, die sich asromaultras.org nennt. Alles hat von dieser aus Webseite begonnen. Ich betreibe die Seite seit 1999, als ich noch selber in der Curva Sud aktiv war.

Teukan: Könntest du die Rolle von Francesco Totti für die Roma beschreiben?

Lorenzo:Totti ist in ganz Rom grösser als der Papst und nach Totti wird es De Rossi sein. Nichts weiteres dazu zu sagen !!!

Teukan: Gehörst du zu einer bestimmten Ultragruppierung oder hast einer bestimmten angehört?

Lorenzo: Ich war selber über 23 Jahre in verschiedenen Ultragruppen aktiv, von 1979 bis 2003. Als erstes bei CUCS (Commando Ultra Curva Sud), dann bei „Opposta Fazione“ und am Ende bei „AS Roma Ultras“.

Teukan: Was bedeutet es für dich Ultra zu sein?

Lorenzo: Ultra bedeutet ein „supertifoso“ von deinem Team zu sein, der niemals einfach zu etwas „Ja und Amen“ sagt. Ultras sind meiner Meinung nach, die letzten Patrioten der Städte.

Teukan: Was war für dich der schönste Moment mit der Roma?

Lorenzo: Der schönste Moment ist es in meinem Augen, wenn ich dem AS Rom auswärts folgen kann. Leider ist das wegen der Fankarte im Moment nicht möglich.

Teukan: Wie würdest du die Fanszene der Roma im Moment beschreiben?

Lorenzo: Die momentane Situation in Rom auf der Roma Seite ist sehr anarchisch. Ultras bringen keine Zaunfahnen mehr in die Kurve, weil sie einfach nicht die Polizei, um Erlaubnis fragen wollen. Alles ist sehr verwirrend im Moment. Dazu ist noch zu sagen, dass kleinere Choreos durchgeführt wurden, indem man einfach das Material ohne vorherige Absprache ins Stadion geschmuggelt hat. Es gibt auch Ultras in der Curva Nord. Die Roma hat immer noch einen sehr großen Ultra Mob.

Teukan: Wie werden große Choreografien in der Curva Sud organisiert?

Lorenzo: Große Choreos werden mit der Hilfe von Hunderten Menschen gemacht, die Material mit ins Stadion schmuggeln. Wird man von der Polizei erwischt, gibt es eine Strafe von 178 €.

Teukan: Wie hat das Ende der Irriducibili die Rivalität zwischen der Roma und Lazio beeinflusst?

Lorenzo: Die Lazio Seite ist sehr unterschiedlich von der Roma Seite. Nicht bezogen auf die politische Richtung, sondern bezogen auf die Beziehung zur Stadt. Roma Fans befinden sich in der nähe zur Stadt. Es gibt eine sehr starke Rivalität zwischen Roma und Lazio Fans. Roma Fans sagen, dass Lazio mit ganz Europa befreundet ist.

Teukan: Warum haben die Irriducibili genau beschlossen, sich aufzulösen?

Lorenzo: Die Irriducibili wurden quasi gezwungen sich aufzulösen. Die Anführer wurden von Lazio Präsident Lotito angezeigt. Ich denke, dass die alten Anführer der Irriduccibilli die Klage gewinnen werden. Lotito wollte die Gruppe und deren Anführer los werden, weil sie zu schnell gewachsen sind und zu mächtig wurden.

Teukan: Wer sind die Hauptultragruppen bei der Roma?

Lorenzo: Keine Ultragruppe bringt noch Zaunfahnen mit ins Stadion. Sie existieren aber noch. Sie geben sich kaum zu erkennen. Feday gibt es noch, genauso wie, Boys, Offensiva Ultras, Giovinezza, Irish Clan und in der Curva Nord „NSSC“.

Teukan: Wie ist die politische Richtung der einzelnen Ultragruppierungen?

Lorenzo: Die Curva Sud ist ein perferkter Mix aus verschiedenen politischen Meinungen. Eines der berüchtigsten Spruchbänder der letzten Jahre sagte: „Nicht rot, weder schwarz, versteckte Gesichter und freie Gedanken“. Ich denke die meisten, der Roma Ultras unterstützen diese Meinung.

Teukan: Warum gibt es in der Curva Sud keine Zaunfahnen mehr, aber auf der tribuna tevere?

Lorenzo: Auf der Tribuna Tevere findet man Vereinszaunfahnen. Curva Sud und Curva Nord haben beschlossen, keine Zaunfahnen mehr aufzuhängen, weil man dafür eine schriftliche Erlaubnis der Polizei braucht. Man braucht keine Zaunfahne, um Ultra zu sein. Es ist schön eine zu haben, wenn man jedoch versucht deine Freiheit einzuschränken, lässt man sie einfach zu hause.

Teukan: Kannst du kurz beschreiben, wie die tessera del tifoso (Fankarte) funktioniert?

Lorenzo: Man kann keine Dauerkarte haben, wenn man keine Tessera del tifoso besitzt. Dazu ist es nicht möglich Auswärtsspiele zu besuchen. Die Tessera del tifoso ist keine Fankarte. Sie wird vom Innenministerium kontrolliert.

Teukan: Hat sich die Fanszene verändert, seit der Einführung, der tessera del tifoso?

Lorenzo: Die Fans im Stadion nehmen ab, weil viele Fans auch nicht mehr zu den Auswärtsspielen fahren und so etwas fehlt. Die Leute, die sich eine tessera del tifoso besorgt haben, sind nicht die Fans, die auch zu Auswärtsspielen fahren.

Teukan: Wie hat sich das römische Derby in den letzten Jahren verändert?

Lorenzo: Das römische Derby ist nicht mehr das Gleiche. Die Gegengerade, die tribuna tevere ist zum größten Teil aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Polizei versucht alles zu kontrollieren und möchte für jede aufgehängte Fahne eine schriftliche Anmeldung. Also versuchen Roma Fans ihre Zaunfahnen in kleine Stücke zu teilen und diese dann ohne Erlaubnis ins Stadion zu schmuggeln, mit ihren Rauchtöpfen und Bengalos. Die Atmosphäre hat sich sehr verändert.

Teukan: Was unternimmst du als Anwalt gegen die tessera del tifoso?

Lorenzo: In der Hinsicht bin ich sehr engagiert und arbeite sehr hart. Wir haben 2 Instanzen vor dem Gerichtshof für Privatsphäre gewonnen, mit der Begründung, dass die tessera del tifoso nicht rechtens ist. Dazu hat der Staatsrat entschieden, dass es nicht rechtens ist, die tessera del tifoso mit einer Kreditkarte zu kombinieren. Oh das habe ich vergessen zu erwähnen. Die tessera del tifoso war nur als Kreditkarte erhältlich. Die angeblich verbesserten Sicherheitsmaßnahmen waren ein Witz. Im Moment arbeite ich daran, dass betreffende Gesetz zu ändern. Der Artikel 9 besagt, dass wenn ein Stadionverbot gegen einen ausgesprochen wurde oder man wegen einem mit Fußball in Zusammenhang verübten Verbrechen, wie zum Beispiel leichte Vergehen mit Pyrotechnik bestraft wird, ist es nicht mehr möglich Karten zu bekommen, bis an sein Lebensende. Dies gilt im Moment sogar, wenn Stadionverbote abgelaufen sind. Mein Ziel ist es, dieses Gesetz zu ändern, sollte dies nicht gelingen, werde ich dagegen klagen.

Teukan: Was wünschst du dir für die Zukunft, in Bezug auf die Fanszene der Roma?

Lorenzo: Ich hoffe, dass wir in der Zukunft etwas Freiheit atmen können, aber es sieht so aus, als wären Ultras der Volksteufel, des modernen Zeitalters.

Derby CLXX

ImageDas Derby Nr. 170 wurde wurde auf Sonntag 15 Uhr gelegt und nach den eher mässigen Erlebnissen bei den letzten Derbys, waren die Erwartungen eher verhalten, was sich jedoch glücklicherweise nicht bewahrheiten sollte. Das Derby dieses Jahr war bunt und voller Emotionen. Im Vorhinein wurde seit langem wieder die Tribuna Tevere für Dauerkartenbesitzer geöffnet. Karten im freien Verkauf waren weiterhin nur für Frauen, Kinder, Rentner und Behinderte erhältlich.

Wir sind kurz nach 13Uhr am Obelisk eingetroffen und haben uns dort unter die Romanisti gemischt, die dort mit einem großen Gruppe von 300 Leuten vertreten waren. Die Stimmung wurde jedoch von Moment zu Moment aggressiver, so wurden beispielsweise zu Beginn lediglich beleidigende Lieder gesungen, sobald Laziali sich am Obelisk Richtung Curva Nord bewegt haben. Etwas später schwenkte es jedoch in Gewalt um, was bedeutet, dass auf einige Leute wahllos eingeprügelt wurde und diese Richtung Curva Nord fliehen mussten. Sehr fragwürdig war jedoch die Aktion einer Person, die sich offensichtlich verlaufen hatte. Ein einzelner Herr mit einem Dynamo Dresden Trikot war auf dem Weg zur Curva Nord und ist mitten durch die Roma Anhänger gelaufen, welche ihn sofort angegriffen haben, worauf er dann Richtung Curva Nord geflüchtet ist. Ob er dann dort ähnlich begrüßt wurde, kann man leider nicht sagen. Es muss noch erwähnt werden, dass alle Übergriffe in Sichtweite der Polizei passiert sind und diese nicht eingegriffen hat. Kurz vorher ist wohl auch noch zu einem Übergriff auf einen spanischen Touristen gekommen, der mit einer Stichverletzung im Oberschenkel ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Gegen 14Uhr hat man sich dann in die Curva Sud begeben. Die Einlasskontrollen waren wie immer mehr als lachhaft und so sind viele Leute gar nicht kontrolliert worden, obwohl 2 Kontrollpunkte „aktiv“ waren, an denen durchsucht werden sollte, doch man hatte das Gefühl, das Sicherheitspersonal ist komplett überfordert und so ließen sie viele einfach so passieren. In der Curva Sud hat man sich ziemlich weit unten zu den Vorsängern gestellt. Bei der Choreo zu Beginn des Spiels hat man schnell gemerkt, dass die Kontrollen wohl in allen Blöcken ziemlich lasch waren, denn es wurde eine überwältigende Rauchchoreo veranstaltet, gefolgt von dem Einsatz von kleinen Blinkern, die ebenfalls großflächig verteilt gezündet wurden. Auf der Gegenseite gab es eine ebenfalls sehr beeindruckende Choreo, bestehend aus einem Fahnenmeer, aus Blau und Weiß. Zur Stimmung kann man sagen, dass es ein sehr guter Auftritt der Roma war und Lazio eher enttäuschte, im Gegensatz zu anderen Derbys. Man kann sagen, die Curva Sud hat sich trotz der starken Repressionen sehr gut weiterentwickelt und besticht durch sehr viele bunte Fahnen, die durchgehen in Bewegung waren, im Gegensatz zu Lazio, wo sehr wenig Fahnen waren, außer bei Toren. Eine sehr schöne Aktion war die Präsentation einer geklauten Lazio Zaunfahne. Ein Roma Anhänger hat sich das komplette Spiel in Klose Trikot und Schweinskopfmaske auf den Zaun gesetzt und die ganze Zeit die Fahne falsch herrum präsentiert.

Lazio ist auch bei diesem Derby wieder negativ aufgefallen, was Rassismus angeht. So wurde der römische Spieler Juan wieder wüst beleidigt und es kam zu 2 Durchsagen im Stadion, mit der Androhung eines Spielabbruchs. Zum Spiel kann man sagen, die Roma hat gut gekämpft, dafür dass man 80 Minuten mit 10 Mann gespielt hat. Es war ein sehr spannendes Spiel , trotz wenig Torchancen, mit 2 Platzverweisen, Elfmeter und diversen hitzigen Szenen.

Nach dem Spiel konnte man sich selbst davon überzeugen, dass alle Repressionen in keinster Weise die Gewalt eindämmen. Ungefähr 100 Leute haben sich nach dem Spiel in Gebüschen bewaffnet und vermummt. Was man mit einer Axt beim Fußball macht, ist mir allerdings bis heute unklar?

Nach mehreren verzweifelten Versuchen von der Gruppe in Richtung der Lazio Anhänger zu gelangen, wurde die Gruppe immer kleiner und so bewegten sich dann nur noch 20 Mann über den Tiber und von dort aus in Richtung der Laziali. Auf der Straße fand es dann ein voll besetztes Auto wohl amüsant, hupend und mit Lazio Schal an den Römern vorbei zu fahren, was sich jedoch als Fehler herausstellen sollte. Mehrere mit Eisenstangen bewaffnete Leute haben dann auf das Auto eingeschlagen, begleitet von Flaschenwürfen. Der Fahrer ist dann in einer Cobra 11 mäßigen Art und Weise durch die Menschen gerast und hat dann auch das Hupkonzert eingestellt. Ich denke zum nächsten Derby wird der Fahrer definitiv nicht mit Auto anreisen. Als die Gruppe dann die Ponte Milvio erreicht hat, welche hauptsächlich von Lazio Anhängern genutzt wird, ist sofort die Polizei auf die andere Seite des Tiber gekommen. Die Gruppe hat sich dann komplett aufgelöst und es gab keine weiteren Ausschreitungen. Interessant war auch, dass bei den ganzen hin und her marschieren, schon Lazio und Roma Anhänger vermischt haben und auch keinem mehr klar war, wer jetzt wer ist. Eine Gruppe von 50 Leuten hat es noch nach Trigoria zum Trainingsgelände der Roma verschlagen, wo sie sich noch lauthals ihren Frust von der Seele gebrüllt haben.

Das römische Derby Nr.170 war eins der emotionalsten und buntesten der letzten Jahre und macht Hoffnung auf viele weitere.

 Video von der Choreo

Fotos vom Derby

Der erste Piratenpraktikant in NRW

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Am 08.10.2011 erreichte uns eine Email bei den Piraten in Aachen, von einem 14 jährigen Schüler, der gerne sein 3-wöchiges Schülerpraktikum absolvieren wollte. Nach intensiven Diskussionen und einem von mir vorgefertigten Plan, der beinhaltete, dass ich den Praktikanten betreue. Wir haben uns dann entschlossen, den jungen Mann einzuladen, um ihn einmal kennenzulernen. Nach einem kurzen Gespräch hatten wir gemerkt, dass da die Chemie stimmt und wir hatten uns entschlossen dem Projekt grünes Licht zu geben. Als nächstes habe ich dann die nötigen Unterlagen für die Schule ausgefüllt und gleichzeitig gedacht, das war es. Pustekuchen !!! 2 Wochen nachdem ich die Unterlagen ausgefüllt zurückgeschickt habe, erreichte mich eine Email, der zuständigen Lehrerin, sie müsste mit mir sprechen. Da ich berufstätig bin, habe ich ihr ein Zeitfenster von 1 Stunde morgens gegeben, in welchem sie mich erreichen konnte. Eines morgens wurde ich dann angerufen.

Ich merkte von der werten Dame sofort eine gewisse Distanz und dass sie der ganzen Idee, dass ihr Schüler bei der Piratenpartei ein Praktikum absolviert, nicht so positiv gegenüberstand.

Als erstes musste ich mir Kritik gefallen lassen, dass ich ja schwer erreichbar sei. Mein erster Gedanke war: „Tja ich bin leider kein Lehrer“, was auch nur ein Gedanke blieb.

Nachdem ich Fragen wie, „was machen Sie eigentlich beruflich?“ und „was macht unser Schüler denn genau bei Ihnen?“ anscheinend zu ihrer Zufriedenheit beantworten konnte war das Gespräch beendet. Mit einem mittelprächtigen Gefühl, habe ich ihr nochmal eine Email geschrieben und um ein vier Augengespräch gebeten. Dies war aber anscheinend nicht nötig, denn sie willigte auch so ein. Vom 23.01.2012 bis zum 08.02.2012 war es dann soweit. @DerDurlay betrat das Büro und startete sein Praktikum. Man muss erwähnen, das obwohl @DerDurlay „erst“ 14 ist, er überdurchschnittlich reif ist und sehr politisch interessiert ist. Während der gesamten Zeit war es sehr interessant mit ihm Diskussionen zu führen und wir waren alle komplett überrascht, über welches Wissen er verfügt hat. Ich glaube wir haben ihm ein sehr abwechslungsreiches Praktikum beschert und wir konnten ihm einen guten Einblick verschaffen, wie man bei den Piraten arbeitet. Ich glaube nur wenige Praktikanten können behaupten, Pressemitteilungen verfasst zu haben, Ratssitzungen, Ausschüsse und den Landtag besucht zu haben.

Eins meiner Highlights war, als am ersten Tag ein Student in unser Büro kam und eine Frage hatte. @DerDurlay ist sofort drauf angesprungen und hat dem Studenten erklärt, was er falsch verstanden hat. Ich hoffe, dass @DerDurlay uns erhalten bleibt und uns noch oft besucht und unterstützt.

 Der Blog vom @DerDuraly http://durlay.de/

Derby di Roma 2011/2012

Das diesjährige Derby wurde von den schweren Krawallen bei der Occupyrome Demonstration überschattet. Es stand lange zur Diskussion, ob man das Derby stattfinden lässt oder nicht. Am Ende hat man sich dazu durchgerungen, das Spiel stattfinden zu lassen. Mit Sicherheit hat auch der Gedanke eine Rolle gespielt, dass es aus Wut ebenfalls zu Krawallen kommen würde. Die Kartensituation hat sich diese Saison anders dargestellt, als sonst. Lazio hatte Heimrecht, somit war für die Roma Fans lediglich die Curva Sud und die Monte Mario Tribüne zugänglich. Zum Ärger der Tifosi waren die Karten für die Curva Sud im freien Verkauf innerhalb von einem Tag vergriffen, da Dauerkartenbesitzer ein Vorkaufsrecht genossen und so hatte man nur noch die Möglichkeit Karten für die Monte Mario Tribüne zu kaufen, welche 110 Euro für Vollzahler gekostet haben. Diese Preispolitik ist auch dafür verantwortlich, dass Fußball in Italien kein Volkssport mehr ist, zu dem man mit der Familie geht. Ich habe mir im Voraus eine Karte in der Curva Sud über einen Internetanbieter für 60 Euro gesichert, die normal 20 Euro gekostet hätte. Dies ist auch eine perverse Machenschaft im Fußball. Ticketagenturen kaufen Karten auf und verkaufen, diese dann zu überteuerten Preisen an Fans. Legalen online Schwarzmarkt nenne ich das.
Am Tag des Derbys machte man sich gegen 18Uhr in Richtung Olimpico. Nach der obligatorischen 30 Minuten Fahrt mit U-Bahn und Straßenbahn, erreichte man den hell erleuchteten Bereich, um das Olimpico. Die Brücken, die die römische Metropole und das Olimpico verbinden, durften nur zu Fuß überquert werden. Von der verstärkten Polizeipräsenz war jedoch nichts zu spüren. Vor den Bier und Imbissbuden am Obelisk, die traditionell in Roma Hand sind, hatten sich gegen 19 Uhr ca. 300 Roma Anhänger versammelt. Bis auf ein paar kleinere Scharmützel, bei denen ein Lazio Schal verbrannt wurde, war es sehr friedlich. Es wurde jedoch vergeblich versucht eine Gruppe zu mobilisieren, und in Richtung Polizei und in Richtung des Lazio Eingangs zu gehen. Nachdem eine kleine Gruppe mehrfach versucht hat, die Gruppe zu mobilisieren, hat sich die komplette Gruppe ins Stadion begeben. Im Eingansbereich der Curva Sud, wurden sehr harmlose Durchsuchungen durchgeführt, was erklärt wie die sehr Rauch lastige Pyrochoreo zustande gekommen ist. Aus der anderen Seite, scheint es wohl auch strengere Kontrollen gegeben zu haben, da mehrere Stadionverbote ausgesprochen wurden, gegen Tifosi, die versucht haben Pyrotechnik ins Stadion zu „schmuggeln“. Ein Tifoso wurde von der Polizei sofort verhaftet, da er versucht hat in seiner Socke ein Messer mit ins Stadion zu bringen.
Im Block angekommen, hat man sich dieses Mal in die Reihen der Fedayn Roma begeben. Die Fedayn gehören zu den ältesten Ultragruppierungen in Rom und bezeichnen sich selber als unpolitisch. Nach anfänglichen kritischen Blicken, fiel man recht schnell mit seiner Deutschen Sprache auf, was die Neugier der Ultras geweckt hatte und man schnell ins Gespräch kam. Man wurde sehr freundlich aufgenommen und nachdem die Ultras gemerkt haben, dass man sehr textsicher ist, was die Roma Hymnen angeht, waren sehr viele Sympathien gewonnen. Zu Beginn des Spiels gab es in der Curva Nord von Lazio eine Choreografie, die aus Fähnchen in den Außenblöcken und einer großen Fahne im Mittelblock bestand. Auf der Seite der Roma gab es eine schöne Choreografie mit Rauch in den Roma Farben. Kaum war der Rauch verzogen, stand es auch schon 1:0 für die Roma. Von der Stimmung war es eine sehr gute Performance der Curva Sud, in der 1. Halbzeit. In der 2. Halbzeit ebbte die Stimmung jedoch ab, was mit dem Ausgleich und der roten Karte zu erklären ist, aber nicht zu rechtfertigen. Das 2:1 durch Klose in der letzten Minute war natürlich ein Schlag ins Gesicht für die Roma und hat die Curva Nord in absolute Ekstase versetzt, nach 5 Derbyniederlagen in Folge. Negativ ist zu bewerten, dass nach wie vor antisemitische Gesänge zum Repertoire der Curva Nord gehören
Im Anschluss des Spiels zeichnete sich das gleiche Bild, wie vor dem Spiel. Etwa 100 Romanisti haben sich wieder gesammelt. Durch mangelnde Koordination konnte man sich jedoch nicht einigen, in welche Richtung man sich begeben soll, um zu den Lazio Anhängern zu kommen. Ein Teil der Gruppe splittete sich ab und ging über den Tiber und in Richtung Norden zur Milvio Brücke. Dort trafen die Romanisti dann auch auf Lazio Anhänger und lieferte sich eine Schlägerei, die aber wieder schnell beendet war, so dass die Polizei nur eine leere Brücke vorfand.

Thessa Facebook Superstar

armadillo444, sitmonkeysupreme

armadillo444, sitmonkeysupreme

Es war einmal ein 15jähriges Mädchen mit dem Namen Thessa. Thessa lebte in dem idyllischen Stadtteil von Hamburg mit dem Namen Bramfeld. Binnen weniger Tage hat Thessa das geschafft, woran manche Leute ewig arbeiten und es trotzdem nicht schaffen. Mancher PR-Manager oder Eventmanager träumt von einem solchem Erlebnis.
Nicht nur wir in Deutschland, nein, sogar in Amerika spricht man schon von Thessa K. (mittlerweile 16) . Fast 24 Stunden lang wurde via twitter, livestream Fernsehen und nicht zuletzt facebook über das Geschehen vor und um Thessa’s Geburtstagsparty zeitgleich/realtime berichtet.
Nachdem Thessa “versehentlich” öffentlich via facebook zu ihrer Geburtstagsparty samt vollständiger Adresse einlud, kündigeten sage und schreibe über 15000 potentielle aber unerwünschte Gäste ihr kommen an. Nicht alle, aber immer noch die beachtliche Zahl von ca. 1500 Leuten hielten sich an ihre Partyzusage und feierten vor Thessa’s Elternhaus ein wildes nicht ganz gesittetes Straßenfest, an dem auch Polizei und Feuerwehr mit großem Aufgebot teilnahmen.
Nachdem die Partygäste Thessa selbst nicht zu sehen bekamen, weil sie, wie sie uns später selbst sagen wird, zu ihren Großeltern geflüchtet sei, einigen zerstörten Gartenzäunen und jeder Menge verärgerter Nachbarn, meldete sich Thessa in der Bildzeitung zu Wort. Die Frage die wir uns jetzt stellen: Ist es etwa Thessa die ohne jedes Talent und Anstrengung binnen wenigen Stunden zum wahren Superstar Deutschlands avancierte?
Thessa äußert sich bestürtzt und reumütig zu den Vorkommnissen und hat von facebook die Schnauze voll. Thessa’s Eltern haben in Anbetracht dessen, was sich ankündigte, die Polizei vorab informiert, einen privaten Sicherheitsdienst engagiert und Thessa floh mit ihrem Freund zu ihren Großeltern ins Exil, um zu vermeiden, dass ihre Fans um 12 Uhr die elterlich Bastion stürmen. Obwohl Thessa ihr Profil sofort nachdem Sie erfahren hatte, welcher Fehler ihr unterlaufen war von einem Freund hat löschen lassen, packte sie in der Geburtstagsnacht die Neugier. Diese veranlasste Sie wiederum in der Nacht, von der sie erst bahauptete durchgeschlafen zu haben, doch ihr facebook Profil zu reaktivieren und einmal nachzuschauen, was sich denn letztendlich bewahrheitetet und doch noch schnell die eine oder andere Nachricht mit einigen ihrer 600 facebook Freunde auszutauschen. Naja, wem kann man es verdenken…Dann war Thessa geschockt! Später im Interview wird Thessa aber sagen, dass man facebook gar nicht braucht und man ohne es zu missen darauf verzichten könne, da sich die wahren Freunde ja sowieso auf anderen Wegen melden würden.
In dem Rest des Interviews gibt sich Thessa sehr verbunden mit alle denen die die Party mehr als Ärgerniß empfanden und miemt das gebrandmarkte mahnende Beispiel Teenie. Mehrere Fragen ob sie sich ein wenig wie ein Star fühle oder von der großen Anteilnahme geehrt fühle, wieß Thessa bestimmt und vehement zurück. Glaubwürdig? Wie dem auch sei, Thessa bemüht sich nicht allzu gekonnt um die Gunst aller, denen die Party keine Freude gewesen ist. Zwar versucht Thessa auch vehement in ihrem Bildzeitungsinterview zu zeigen, wie leid es ihr tut, doch muss man algemein ihre Glaubwürdigkeit in Frage stellen. in dem Interview wird zwanghaft das Bild von der schüchternen armen 16jährigen geschaffen, die mit dem sozialen Netzwerk Facebook überfordert war. Beispiel gefällig?
Bis vor einer Woche war die Hamburger Schülerin Thessa K. (16) ein ganz normales Mädchen, das Cello spielt, gern shoppen geht und mit Freunden Kaffee trinkt.
BILD.de: Wie hast du deinen Geburtstag verbracht?
Thessa: “… Wir haben dort auf dem Sofa gesessen und Fußball im Fernsehen geguckt.”
BILD.de: Hast du dich geehrt gefühlt, dass so viele Menschen gekommen sind?
Thessa: Auf keinen Fall. Das war mir total unangenehm. Ich bin kein Mensch, der sich gerne in den Mittelpunkt stellt.
An dieser Stelle möchte ich mit den Zitaten aufhören. Ich denke es reicht um das Kontroverse an der Situation zu demonstrieren. Wer kennt nicht den Typ schüchternes Mädchen, dass es hasst im Mittelpunkt zu stehen aber schön mit Foto der Bildzeitung ein Interview gibt. Doch ist Thessa an der ganzen Situation unschuldig?
Fakt ist: Thessa sagt selbst, dass sie “600″ Freunde bei Facebook hat. In vielen Medien wurde fälschlicherweise behauptet Thessa hätte alle Facebookbenutzer eingeladen. Ich glaube manche Viagraverkäufer, würden sich sehr über dieses Feature freuen, alle Facebookbenutzer aufeinmal zu etwas einladen zu können oder der arme Bänker aus Afrika mit dem 20 Millionen Dollarkonto, der dringend eine Kontonummer braucht.
Was Thessa gemacht hat, sie hat ein paar ihrer 600 Freunde eingeladen und die haben wieder Freunde eingeladen und so kam es zu einem Schneeballeffekt. Bis sogar die Fernsehsender davon Wind bekamen und die Situation nicht ganz uneigennützig noch zusätzlich anheizten. Die Krone setzt Thessa sich noch selbst auf, indem sie zugab, dass ein Freund von ihr ihre Zugangsdaten hat. Da kann ich mir jeden Kommentar, glaub ich, sparen.
Das Problem bei der ganzen Sache ist wohl, dass die 600 Freunde von Thessa wohl nicht zu ihren besten Freunden gehören und das ist die Gefahr, die viele Jugendliche gerne übersehen. Es werden Leute als Freunde hinzugefügt, die man kaum oder garnicht kennt, weil es ja natürlich prestigeträchtig ist viele Freunde zu haben. Thessa ist das typische Beispiel was bei dem wilden Freunde “geadde” passieren kann.
Der nächste Fehler war die Party nicht sofort zu löschen. Laut mehreren Berichten war die Party 5 Tage öffentlich geschaltet. Aber was treibt dann trotzdem 1500 Leute nach Bramfeld, obwohl man weiss, dass die Party nicht stattfindet? Oder was treibt Leute dazu Webseiten zu machen und Mitfahrgelegenheiten zu organisieren, um möglichst viele Menschen dahin zu bringen?
Es ist wohl klar, dass keiner der angereisten Menschen Thessa auch nur im Entferntesten etwas Gutes wollte. Man muss wohl eher annehmen, dass es sich um einen ausgeprägten Sinn für Sadismus handeln muss. Wir haben das Bild von MTVs “My Supersweet 16″ vor Augen, bei dem verwöhnte amerikanische Gören ihr 50.000$ Auto bekommen, 1000 Gäste tanzen und es springt noch Snoop Dogg aus der Torte und singt.
Da Thessa mit einem ähnlichen Bild für ihre Party geworben hat, haben sich wohl die meisten der Angereisten gedacht, du kriegst ein supersweet 16, dass sich gewaschen hat. Anders kann man sich das entstandene Chaos nicht erklären. Ich kann mich an keinen 16. Geburtstag erinnern, bei dem wir bengalische Feuer gezündet und eine Wohnsiedlung auseinandergenommen haben.
Eine Party aus Schadenfreude zu feiern scheint heutzutage spannender als eine aus Anteilnahme.
Aber warum auch nicht, wir haben ja schliesslich alle mit unseren Steuergeldern bezahlt. Am Samstag soll es übrigens eine weitere Facebookparty geben. Allerdings nicht bei Thessa sondern in Ahrensburg in Schleswig-Holstein, zu der sich bereits 20000 angemeldet haben.

Authoren: Hike_1 und Teukan

Offizieller Thessa Song hier:
Bildzeitungsinterview hier:
SpiegelTV Bericht hier:
ZAPP Bericht – NDR hier:
Taff Bericht – Pro7 hier:
Video von dem Abend hier:

Derby in der Höhle des Löwen

Die Höhle des Löwen hat sich eher als Schmusekätzchen rausgestellt. Beim diesjährigen Derby, habe ich mich das erste Mal zu den „Feinden“ in die Curva Nord gewagt. Im Vorhinein war die Kartensituation so, dass es von Seiten der Roma nur noch Karten für die Tribuna Monte Mario (Haupttribüne) für 110 Euro gab. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, Karten für 33 Euro in der Curva Nord bei den Laziali zu besorgen. Ich möchte hier noch erwähnen, dass die Mitarbeiter im Lazio Store wesentlich freundlicher sind und dort eine richtig familiäre Atmosphäre herrscht, während im Roma Store japanische Touristen sind, die sich ihr Urlaubsoutfit zusammenstellen.
Der ursprüngliche Plan war eigentlich, sofort ins Stadio Olimpico zu gehen, sobald die Tore geöffnet werden und dann versuchen über die Plexiglaswände in die Curva Sud zuklettern. Aufgrund vorabendlicher Aktivitäten hat sich der Zeitplan jedoch etwas nach hinten verlagert, so dass man sich erst um 14:00 im Stadion einfand (Anstoß 15:00) und sich schon die Ordner positioniert hatten. Im Nachhinein muss man sagen, dass dies auch besser so war, weil ein Lazio Anhänger genau das probiert hat, allerdings mit dem Ziel Curva Nord und dem Ergebnis einer Festnahme, inklusive Stadionverbot. Außerdem sind noch 2 Roma Anhänger verhaftet wurden, die versucht haben ohne Karten in die Curva Sud zu gelangen.
Das Sicherheitskonzept, der örtlichen Behörden war natürlich wieder sehr streng. Am Abend vor dem Spiel wurde das Stadion weitläufig überwacht, durchsucht und mit Flutlicht die ganze Nacht beleuchtet. Die Tribuna Tevere (Gegengerade) war wie bei den beiden Derbys zu vor wieder nur für Rentner, Kinder, Frauen und Behinderte zugänglich. Dies hatte zur Folge, dass sich nur knapp 40.000 Zuschauer im Stadion befanden. Die Zeiten von ausverkauften Derbys mit 80.000 Zuschauern sind lange vorbei und werden bei der aktuellen Lage wahrscheinlich auch nicht so schnell wieder kommen. Die Einlasskontrollen waren unerwartet streng, für römische Verhältnisse. Man wurde 2 Mal durchsucht und ich musste sogar mein Handy zeigen, weil es sich verdächtig anfühlte. Zu Beginn des Spiels gab es eine sehr schöne Choreo von den Lazio Anhängern. Die Blöcke waren abwechselnd mit weissen, blauen und italienischen Fähnchen geschmückt. Dazu gab es noch eine große Fahne mit Adlern und dem Lazio Logo. Man muss neidlos anerkennen, dass der Support der Lazio Kurve bis zur Halbzeit besser war. Nach der Pause hatte man so das Gefühl, dass das schlechte Wetter die Fans auf beiden Seiten in Depressionen versetzt hat. Nach dem 1:0 durch Totti ist dann endlich auch die Curva Sud wach geworden. Aufregung gab es nach dem Spiel, weil der Torhüter Muslera von Lazio beim Tor von einem Laserpointer geblendet wurde. Nachdem 2:0 kurz vor Schluss durch einen Elfmeter von Totti und den 2 Rotekarten haben sich viele Lazio Anhänger im Dauerregen auf den Heimweg gemacht. In der Nordkurve hat noch jemand ein kleines Feuer gelegt, auf das jeder der vorbei ging auch noch seine „Sitzzeitung“ geworfen hat, so dass am Ende doch ein ziemliches Lagerfeuer entstand. Die Zuschauer im Stadion sitzen zum größten Teil auf Zeitungen, weil das Stadion nicht sauber gehalten wird und die Sitze sehr von Vogelkot in Mitleidenschaft gezogen werden. Beim Verlassen des Stadions hatte die Polizei die direkte Strasse von der Curva Nord zur Curva Sud gesperrt. Eine Strasse weiter, war jedoch einfaches Durchkommen. Einige wenige gewaltbereite Lazio Anhänger haben sich nach dem Spiel gesammelt und die Polizei mit Böllern und Flaschen beworfen. Die Leute konnten aber relativ schnell identifiziert werden und so kam es zu mindestens 6 Festnahmen. Grund dafür war es sicher, dass es taghell und eine sehr kleine Gruppe zwischen 10 und 20 Leuten war. Vor der Curva Sud am Obelisk haben sich einige Roma Anhänger versammelt und eine Gasse für die vorbei strömenden Lazio Fans gebildet und diese dabei verhöhnt. Die ca. 50 Romanisti haben auf die gewaltbereiten Lazio Supporter gewartet, die aber nicht kamen, da diese ja noch mit der Polizei zu tun hatten. Die Romanisti sind dann auf die andere Seite des Tiber und von da aus Richtung Norden marschiert, was aber auch nicht von Erfolg gekrönt war.
Man kann sagen, dass das Derby in Rom an viel Glanz verloren hat. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen, verhindern nicht die Gewalt, sondern zerstören den Flair des Derbys. Die Behörden haben den Ultras von Lazio und der Roma den Krieg erklärt. Zaunfahnen, über die Ultras ihre Präsens zeigen sind in den römischen Kurven verboten. Die Preise werden in die Höhe getrieben und man hat das Gefühl, es ist einfacher ein Konto zu eröffnen, als sich ein Ticket zu kaufen. Dazu kommen die zahlreichen Stadionverbote, wenn man die Stadionverbote der letzten Monate zusammen addiert ist man automatisch im dreistelligen Bereich. Und wer öfters zum Fußball geht, weis das Stadionverbote nicht zwangsläufig etwas mit bewiesenen Straftaten zu tun haben. Ich hatte möchte noch erwähnen, dass ich ziemliche Probleme hatte mich bei den Toren nicht zu freuen und ich glaube, ich war der Einzige, der grinsend die Curva Nord verlassen hat.

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